Leben im Licht | Epheser 5, 1 - 9

- 07.03.2021 - 

Okuli

Was bedeutet es, als „Kind des Lichts“ zu leben? Licht bleibt nicht bei sich selbst. Es scheint nach außen und macht sichtbar, was vorher im Dunkeln lag. Dr. Jochen Eber fragt, wie Gottes Liebe unser Leben verändern und durch uns für andere sichtbar werden kann. Dabei geht es nicht nur darum, was wir vermeiden sollen, sondern um einen Glauben, der ganz praktisch Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit in die Welt trägt.

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In seiner Predigt über Epheser 5 spricht Pfarrer Dr. Jochen Eber darüber, wie Gottes Liebe unser Leben verändert. Licht bleibt nicht bei sich selbst – es leuchtet nach außen. Christlicher Glaube soll deshalb in unserem Leben sichtbar werden: in Liebe, Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit.
 
Der Gottesdienst wurde am 7. März 2021 in der Margarethenkirche Höllstein gefeiert.
 
  • Predigttext: Epheser 5,1–9
  • Predigt und Liturgie: Pfarrer Dr. Jochen Eber
  • Orgel: Douglas Bruce
  • Gesang: Susanne Blaschke und Susanne Käss
  • Lobpreisteam:
    • Susanne und Achim Blaschke
    • Susanne und Volker Käss
  • Aufnahme und Schnitt: Volker Käss
 
Lieder im Gottesdienst:
  • EG 166: Tut mir auf die schöne Pforte
  • NL+ 131: Ein Leben, gegeben CCLI-Nr.: 4335333
  • Mein Jesus, mein Retter CCLI-Nr.: 5172193
  • Wasser des Lebens (So weit) CCLI-Nr.: 4330118
CCLI-Liedlizenz 5100265

Predigt zu: „Leben im Licht“ - Epheser 5, 1 - 9 

(7. März, Pfarrer Jochen Eber, Evangelische Kirche Steinen)
 
Bei Paulus geht es im zweiten Teil seines Briefes um das christliche Leben. Es sind Anweisungen für die Christen, wie sie leben sollen.
 
Kinder des Lichts, das ist das Stichwort.
Leben im Licht.
 
Unter diesem Stichwort will ich über dieses Bibelwort sprechen.

Kinder des Lichts

Hier in der Margarethenkirche war ja im Januar nichts los. Außen herum lag schön hoch Schnee, und ich dachte: Jetzt muss ich einmal hergehen und Bilder machen. Ich habe es seit zehn Jahren nicht mehr erlebt, dass so viel Schnee lag. Wer weiß, wann wir das wieder haben.
 
Dann war ich mit der Kamera hier. Es wurde langsam dunkel und die Kirchenfenster fingen immer mehr an zu strahlen. Draußen grau-blaue Töne, drinnen das helle, warme gelbe und rote Licht.
 
Ein fantastischer Kontrast.
Die Kirchenfenster strahlen.
 
Ohne Licht ist es zu Hause nicht schön und auch in der Kirche nicht. Wenn wir kein Licht haben, würden wir im Dunkeln über alle möglichen Sachen fallen, gegen Möbel laufen oder uns die Füße anstoßen.
 
Wenn ich abends in die Kirche komme und noch etwas für den nächsten Sonntag hinlege, sehe ich auch nichts. Als Erstes suche ich den Lichtschalter.
 
Licht bleibt nicht bei sich.
Licht will hinaus.
 
Es will nicht nur sich selber haben, sondern immer etwas anderes erleuchten.
 
Als ich die Bilder gemacht habe, fiel mir auch das Bild hier vorne von Paulus und Petrus auf, den beiden Hauptaposteln. Das Bleiglasbild wurde von der Familie Merian gestiftet.
 
Beide sind Sinnbilder für Kinder des Lichts. Das Licht Gottes strahlt durch das Leben dieser beiden Apostel hindurch, hinaus in die Welt, zu den anderen, in das Dunkel dieser Welt.
 
Licht kann nicht bei sich selber bleiben.
Licht will hinaus zu anderen.
 
Das ist die Botschaft dieses Glasbildes sehr eindrücklich: Seid Kinder des Lichts.
 
Der Glaube macht hell. Der Glaube bleibt nicht bei sich selber. Licht ist etwas Positives. Es will in das Leben des anderen hineinleuchten. Es bringt Ordnung hinein, sodass man sehen kann und nicht im Dunkeln tappt.
1. Wer Gottes Beispiel folgt, lebt in seiner Liebe
Dieses Licht geht von Gott aus, der uns selbst geliebt hat:
Seid Gottes Nachfolger als seine geliebten Kinder und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat.

Darum geht es heute, gerade auch in der Passionszeit.
 
Jesus hat in seiner großen Liebe unsere Schuld getragen und vergeben.
Jesus liebt mich. Gott liebt mich.
 
Warum sollte ich nicht auch diese Liebe ausstrahlen?
Es geht gar nicht anders.
 
Das ist mein erster Punkt:
Wer dem Beispiel Gottes folgt, der lebt in dieser Liebe.
2. Wer Gottes Beispiel folgt, weiß, was nicht sein soll
Nun zum Zweiten.
 
Wer Gottes Beispiel folgt, weiß, was nicht sein soll.
 
Da kommt diese ganze Reihe von Versen, die wir gehört haben, in denen negative Dinge aufgezählt werden. Auch vorher und nachher in diesem Kapitel findet sich einiges mehr.
 
Man weiß ungefähr, wohin es geht: Dinge, die nicht mit dem Licht zusammenhängen, sondern die Dunkelheit suchen. Dinge, die Gott nicht gefallen.
 
Ich habe früher gedacht: Auf manche dieser Dinge hätte unter Umständen sogar die Todesstrafe gestanden, auch in unseren Breitengraden, als es sie noch gab.
 
Wir kennen einen Galgen vielleicht aus Western: ein senkrechter Pfahl, ein waagerechter Balken, noch einer schräg zur Abstützung.
Aber so sah ein Galgen bei uns nicht unbedingt aus.
 
In Beerfelden im Odenwald steht noch ein sehr gut erhaltener Galgen. Weil wir einmal in Schriesheim am Rande des Odenwalds gelebt haben, bin ich dorthin gefahren, um ihn anzuschauen.
 
Diese Galgen hatten drei Steinsäulen und oben Balken, die sie miteinander verbanden. Dort konnten mehrere Menschen gleichzeitig aufgehängt werden.
 
Bei diesem Galgen konnte man lesen, dass dort vor etwa 270 Jahren ein Mann wegen Ehebruchs und Diebstahls aufgehängt wurde.
Und ungefähr 50 Jahre später wurde der Galgen zum letzten Mal benutzt.
 
Eine Frau wurde dort aufgehängt. Der Überlieferung nach hatte sie es nicht eilig, auf den Hügel zu kommen und soll gesagt haben:
„Beeilt euch nicht so. Bevor ich nicht oben bin, geht es nicht los.“
Das nennt man Galgenhumor.
 
Da fragt man sich natürlich: Was hatte diese Frau getan?
 
Ein Kapitalverbrechen?
 
Einen Ochsen oder eine Kuh gestohlen? Ein Haus angezündet?
 
Nichts von alledem.
 
Sie hatte ein Huhn und zwei Laib Brot gestohlen.
 
Warum darauf die Todesstrafe?
 
Auf der Erklärung stand: Sie gehörte zu einer Gruppe von Landfahrenden, für die ein anderes Recht galt. Gleiches Recht für alle gab es nicht. Auch Juden wurden nicht nach demselben Recht behandelt.
 
Wenn solche Gesetze heute noch gelten würden, was wäre dann?
 
Andererseits ist nach Paulus schlimmer als der leibliche Tod der ewige Tod. Und das verbindet er mit dieser Liste von Dingen. Er sagt: Das war einmal. Das ist eure Vergangenheit.
 
Als Christen habt ihr ein neues Leben begonnen.
Finsternis oder Licht. Alter oder neuer Mensch.
Was seid ihr? Wie wollt ihr leben?
 
Paulus nennt viele Beispiele:
Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen.
Lasst euren Zorn also nicht länger als einen Tag dauern.
Und:
Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und notwendig ist.
 
Man bemerkt: Paulus spielt mit anderen Worten auf die Zehn Gebote an.
 
Wer gestohlen hat, soll nicht mehr stehlen, sondern arbeiten und mit eigenen Händen das Nötige schaffen, damit er sogar dem Bedürftigen etwas abgeben kann.
 
Wenn ein Mensch aufhört, anderen etwas wegzunehmen, selbst für seinen Lebensunterhalt sorgt und schließlich auch noch einem anderen helfen kann, dann ist doppelt geholfen.
 
Die Änderung des Lebens bewirkt etwas Gutes.
 
Hier im Predigttext ist auch von sexueller Unreinheit und Habgier die Rede. Interessant ist, dass Habgier dem Götzendienst gleichgestellt wird.
 
Andere Götter haben heißt: sich anderen Dingen zuzuwenden und das Wichtigste im Leben von etwas anderem zu erwarten als von Gott selbst.
 
Manche haben dabei ein schlechtes Gewissen. Sie wissen, was sie nicht tun sollen, und machen es trotzdem.
 
Vielleicht haben sie etwas aus ihrem alten Leben in ihr Christsein mit hinübergeschleppt.
 
Sie wissen noch, wie glücklich sie waren, als sie Christen geworden sind. Im Bild gesprochen haben die Fenster hell gestrahlt.
 
Doch im Laufe der Jahre kommt eine Schmutzschicht darauf. Es wird dunkler. Das Licht scheint nicht mehr richtig durch. Dunkle Flecken entstehen.
 
Und da klopft der alte Mensch wieder an, von dem man geglaubt hat, er sei längst tot.
 
Wer dem Beispiel Gottes folgt, weiß: So soll es nicht sein.
 
Von Gott sind wir dazu bestimmt, Kinder des Lichts zu sein und in diesem Licht zu leben.
 
Und noch einmal das Beispiel des Diebstahls:
Wer gestohlen hat, soll nicht mehr stehlen, sondern arbeiten und Gutes tun.
 
Ich denke: Wenn der Richter in Beerfelden das wörtlich genommen und dieser Frau Arbeit gegeben hätte, anstatt sie aufzuhängen, wäre etwas Gutes passiert.
 
Die Frau hätte überlebt und dabei vielleicht auch die christliche Einstellung der Bewohner gespürt. Irgendwann hätte sie selbst anderen helfen können.
 
Das war mein zweiter Teil:
Wer Gottes Beispiel folgt, weiß, was nicht sein soll.
3. Wer Gottes Beispiel folgt, lebt im Licht
Nun zum Dritten:
Wer Gottes Beispiel folgt, der lebt im Licht.
 
Menschen werden Christen. Einige von uns haben das selbst erlebt.
 
Ihr habt aufgehört zu leben wie die anderen.
 
Lebt weiterhin als Kinder des Lichts.
 
Das ist die Ermahnung: Lasst euch von Jesus reinigen, damit Gottes Licht durch uns hindurchscheinen kann.
 
Das heißt aber nicht, dass wir vor der Welt wegrennen.
 
Es gab Menschen, die in die Wüste gegangen sind, dorthin, wo kein Mensch leben will. Nur weg von dieser bösen Welt. Hinter Klostermauern könne einem nichts mehr passieren und man könne sein Heil für sich selbst bewahren.
 
Aber das ist nicht der Weg, den Paulus empfiehlt.
Sondern:
Hinein in die Welt.
Ein Licht in dieser Welt sein.
 
Das ist die Aufgabe für uns Christen: im Licht leben, mitten in dieser Welt.

Licht sein in dieser Welt

Ich dachte dabei an Dietrich Bonhoeffer.
 
Wenn ein Mann wie Dietrich Bonhoeffer ins Kloster gegangen wäre, müssten wir heute vielleicht nicht mehr viel von ihm wissen.
 
Er war bereit, für Gerechtigkeit in dieser Welt einzutreten. Er entschied sich, aus Amerika zurückzukommen. Er wollte nicht dort bleiben und seine eigene Seele retten, sondern hinein in die Situation.
 
Gemeinsam mit anderen dachte er darüber nach, wie nach dem Dritten Reich eine gerechte Ordnung aussehen könnte.
Mehr Gerechtigkeit für die Menschen.
Lebt als Kinder des Lichts.
Bringt euch ein.
 
Paulus nennt die Frucht des Lichts:
Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit.
 
Das sind drei wichtige Grundzüge des christlichen Glaubens.
 
Gütig sein ist vielleicht ein altmodischer Begriff. Es heißt aber ganz einfach: Gutes tun. Gutes gegenüber anderen Menschen.
Gerecht sein heißt, Gottes Maßstab in Liebe anzulegen, so wie er selbst uns in Jesus vergibt.
 
Und Gott will, dass wir in der Wahrheit leben. Nicht in Lüge und nicht in Halbwahrheiten, sondern sagen, was zutrifft.

Das Licht soll durch unser Leben scheinen

Ich komme zum Schluss.
 
Früher habt ihr in der Finsternis gelebt. Heute lebt ihr im Licht.
 
Und dieses Licht soll durch unser Leben hindurchscheinen, wie hier durch die Apostel im Kirchenfenster, hinaus in die Dunkelheit.
Wir wollen Gott an uns arbeiten lassen, damit dieses Licht voll scheinen kann.
 
Dafür hat sich Jesus geopfert.
 
Und der Heilige Geist schenkt uns die Kraft, gütig, gerecht und in Wahrheit zu leben, damit unser Leben zu einem Beispiel für andere wird und die Liebe Gottes durch uns hindurch in unserer Welt wirkt.
 
Amen.