Nie mehr Langeweile | Apostelgeschichte 2, 1 - 21

- 31.05.2020 - 

Pfingstsonntag

Kann Glaube langweilig werden? Beim ersten Pfingstfest in Jerusalem war jedenfalls nichts steif, verstaubt oder langweilig. Menschen redeten begeistert von Gottes großen Taten und Petrus hielt seine erste Predigt. Prädikant Dr. Ernst Volz fragt, was geschieht, wenn der Heilige Geist auch heute einen Menschen ergreift. Dabei geht es um eine Bibel, die plötzlich lebendig wird, und um eine Beziehung zu Jesus, die eine neue persönliche Bedeutung bekommt.

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Prädikant Dr. Ernst Volz beginnt seine Pfingstpredigt mit einem Konfirmanden, der während der Predigt einschläft. Doch beim ersten Pfingstfest in Jerusalem war von Langeweile keine Spur: Menschen reden begeistert von Gottes großen Taten, Sprachgrenzen fallen und Petrus hält seine erste Pfingstpredigt.
 
Was verändert sich, wenn der Heilige Geist einen Menschen ergreift?
 
Die Predigt beschreibt zwei Erfahrungen besonders:
  • Die Bibel wird vom alten, scheinbar verstaubten Buch zum lebendigen Wort Gottes.
  • Die Beziehung zu Jesus bekommt eine neue persönliche Bedeutung.
 
Mit einem ungewöhnlichen Vergleich zeigt Ernst Volz, was der Heilige Geist bewirken kann: Gottes Wort muss keine „Tiefkühlkost“ bleiben. Durch den Heiligen Geist wird es lebendig.
 
  • Predigttext: Apostelgeschichte 2,1–21
  • Predigt: Prädikant Dr. Ernst Volz
  • Orgel: Anna Miller
  • Gesang: Susanne Käss
 
Lobpreis:
  • Anna Miller
  • Susi und Achim Blaschke
  • Susanne und Volker Käss
 
Lieder im Gottesdienst:
  • EG 131: O Heiliger Geist, o heiliger Gott CCLI-Nr.: 4938132
  • EG 136: O komm, du Geist der Wahrheit CCLI-Nr.: 5888401
  • EG 580: Segne und behüte uns durch deine Güte CCLI-Nr.: 4834250
  • NL+ 175: Lege deine Sorgen nieder CCLI-Nr.: 5752276
  • NL+ 36: Anker in der Zeit (Es gibt bedingungslose Liebe) CCLI-Nr.: 4326005
  • NL+ 25: Du bist die Kraft, die mir oft fehlt (Alles bist du mir, Herr) CCLI-Nr.: 5277270
CCLI-Liedlizenz 5100265
 
  • Aufnahme: Heiner Böttinger und Volker Käss
  • Schnitt: Volker Käss

Predigt „Nie mehr Langeweile“ - Apostelgeschichte 2, 1 - 21

(13. April 2020, Prädikant Ernst Volz, Evangelische Kirche Steinen)

Wenn selbst der Gottesdienst langweilig wird

Liebe Gemeinde,
 
den Konfirmanden ist es langweilig im Gottesdienst. Einer ist während der Predigt sogar eingeschlafen.
 
Der Pfarrer bemerkt das und weckt ihn mit lauter Stimme:
„Ich kann mir nicht vorstellen, dass das der richtige Platz zum Schlafen ist.“
Darauf der Konfirmand:
„Ach, es geht schon. Sie müssen nur etwas leiser sprechen.“
 
Es gibt für das menschliche Leben ein gefährliches Gift. Dieses Gift heißt Langeweile.
 
Langeweile macht sich breit, wenn das Leben eines Menschen überhaupt keine Höhepunkte mehr hat. Wenn es immer oberflächlich dahinplätschert. Wenn alles gleichgültig geworden ist.
 
So ein Mensch geht auf Dauer ein wie eine Primel ohne Wasser.
 
Langeweile ist schlimm. Winston Churchill hat einmal gesagt, man könne die Menschen in drei Klassen einteilen: solche, die sich zu Tode arbeiten, solche, die sich zu Tode sorgen, und solche, die sich zu Tode langweilen.

Ist Glaube langweilig?

Wissen Sie, was erschreckend ist?
 
Für viele Menschen hat heutzutage alles, was mit Glauben und Kirche zu tun hat, ebenfalls den Anschein, langweilig zu sein.
Dann hört man Sätze wie:
„Irgendwie glaube ich schon, dass da ein höheres Wesen existiert. Aber der christliche Glaube ist mir viel zu eng.“
Oder:
„Da verstehe ich das meiste sowieso nicht.“
Oder:
„Die Gottesdienste sind langweilig. Jeden Sonntag das Gleiche. Das ist doch überhaupt nicht mehr zeitgemäß.“
 
Wenn sich der Eindruck immer weiter durchsetzt, unser Glaube, unsere Kirche und unsere Gottesdienste seien langweilig, müssen wir das ernst nehmen.
 
Denn dann hat sich seit dem Geburtstag der Kirche vieles verändert.

Das erste Pfingsten war alles andere als langweilig

Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche.
 
Wenn wir auf dieses erste Pfingstfest damals in Jerusalem schauen, war das allerdings alles andere als langweilig.
Das damalige jüdische Wochenfest war eines der großen Wallfahrtsfeste. Tausende Menschen waren in Jerusalem versammelt.
Dieses Fest hatte eine klare Ordnung.
 
Und mitten in diesem geordneten Festbetrieb stehen plötzlich einige Männer auf dem Tempelplatz und beginnen laut, die großen Taten Gottes zu verkündigen.
 
Und sie tun das auf eine Weise, die überhaupt nicht zum normalen Festbetrieb passt:
Jeder, der aus den verschiedenen Gebieten des Mittelmeerraumes nach Jerusalem gekommen ist, hört sie in seiner eigenen Muttersprache reden.
 
Wir wissen nicht genau, wie sich das abgespielt hat. Ob sie mit hoch erhobenen Händen dastanden, ob sie Halleluja gesungen haben oder wie es konkret aussah.
 
Aber eines ist ganz sicher:
Was dort in Jerusalem geschah, war nicht steif.
Es war nicht verstaubt.
Und es war schon gar nicht langweilig.
 
Da waren Bewegung, Freude und Begeisterung zu spüren.
 
Die anderen Menschen schauten sich an und fragten:
„Was ist denn da los?“
Manche sagten:
„Die sind doch völlig betrunken. Die sind voll des süßen Weines.“

Voll des Heiligen Geistes

Genau in dieser Situation hält Petrus, der Fischer vom See Genezareth, seine erste Predigt.
 
Es ist die erste Pfingstpredigt überhaupt.
 
Petrus schaut die Menschen auf dem Tempelplatz an und sagt sinngemäß:
„Ihr Männer und Frauen, es ist neun Uhr morgens. Glaubt ihr wirklich, dass wir jetzt schon betrunken sind?“
 
Ja, ihr habt recht:
Wir sind voll.
Aber nicht voll des süßen Weines.
Wir sind voll des Heiligen Geistes.
 
Dann erinnert Petrus die Menschen daran, was beim Propheten Joel angekündigt wurde:
Es wird ein Tag kommen, an dem Gott seinen Geist über die Menschen ausgießt.
 
Nicht nur über die Mächtigen, Gebildeten und Gelehrten.
Auch über Arbeiter und Fischer, Knechte und Mägde.
 
Sie werden aus der Freude ihres Herzens Gott loben.
 
Und Petrus sagt:
Was ihr gelesen habt, ist heute Wirklichkeit geworden.
Ihr erlebt es selbst.
Gott hat seinen Heiligen Geist gesandt.

Was verändert der Heilige Geist?

Wenn der Heilige Geist auf einen Menschen kommt, damals wie heute, geschehen verschiedene Dinge.
 
Zwei davon möchte ich nennen.
 
Das Erste:
Gottes Wort wird lebendig
 
Ein Mensch bekommt ein ganz neues und praktisches Verständnis von Gottes Wort und vom Glauben.
Wenn der Heilige Geist auf mich kommt, ist die Bibel nicht mehr nur ein verstaubtes altes Buch, das von längst vergangenen Zeiten handelt.
 
Nein.
 
Sie wird für mich Realität.
Sie wird zum lebendigen Wort.
 
Und ich spüre auf ihren Seiten:
Gott redet ganz persönlich zu mir. Er meint mich.
 
Dann lese ich das Wort Gottes nicht mehr nur, weil es zum Frommsein eben dazugehört.
 
Die Beschäftigung mit Gottes Wort wird jedes Mal wie eine Audienz beim Allerhöchsten.
 
Dann macht es mir plötzlich nichts mehr aus, mir dafür Zeit zu reservieren, selbst wenn Stress und Hektik mich zu verschlingen drohen.
 
Gottes Wort und damit Gott selbst werden greifbar, real und lebendig.
 
Was vorher verstaubt wirkte, wird plötzlich lebendig.

Bibel als Tiefkühlkost?

Ich möchte einen gewagten Vergleich verwenden.
 
Jesus hat schließlich auch oft in Gleichnissen zu den Menschen gesprochen.
 
Man könnte das Wort der Heiligen Schrift vielleicht mit einem gefrorenen Stück Fleisch vergleichen.
 
Eine Hausfrau nimmt einen harten, eiskalten Klumpen aus der Gefriertruhe.
 
Würde sie ihn ihrer Familie genauso zum Mittagessen vorsetzen, würde wahrscheinlich niemand hineinbeißen wollen. Man würde sich die Zähne daran ausbeißen.
 
Natürlich macht man das normalerweise nicht.
Man lässt das Fleisch auftauen, würzt es und gibt es in die heiße Pfanne.
 
Wissen Sie, was dann passiert?
Nach kurzer Zeit zieht ein Duft durch das ganze Haus.
 
Und die ganze Familie kommt in die Küche und fragt:
„Wann gibt es endlich etwas zu essen?“
 
Es ist dasselbe Stück Fleisch.
Einmal tiefgefroren.
Einmal mit Feuer behandelt und gewürzt.

Feuer und Gewürze

Genauso ist es mit der Botschaft der Bibel.
 
Man kann sie tiefgekühlt servieren und versuchen, sie so zu konsumieren.
 
Man kann sie aber auch mit Feuer behandeln und würzen lassen.
 
Das Feuer und die Gewürze, das ist der Heilige Geist.
 
Wenn ich Gottes Wort tiefgekühlt weitergebe, sodass vielleicht wieder jemand einschläft, oder wenn ich es selbst tiefgekühlt konsumieren will, darf ich mich nicht wundern, wenn keiner anbeißt.
 
Aber wenn an das Wort Gottes das Feuer des Heiligen Geistes kommt, beginnt es plötzlich zu duften.
Es wird lebendig.
Es bekommt Geschmack.
Und man kann nicht genug davon bekommen.
 
Wie wunderbar wäre es, wenn immer mehr Menschen durch den Heiligen Geist auf diesen einzigartigen Geschmack von Gottes Wort kommen würden.
 
Denn Gottes Wort ist eine Botschaft des lebendigen Gottes an uns.
An jeden Einzelnen.
Direkt und persönlich.
Es ist keine Tiefkühlkost.
 
Beten wir deshalb gerade vor und während des Bibellesens darum, dass uns der Heilige Geist Weisheit und Erkenntnis schenkt und uns zeigt, was dieses Wort ganz persönlich sagen will.

Eine neue Beziehung zu Jesus

Ein Zweites geschieht, wenn der Heilige Geist kommt:
Wir bekommen ein neues Verhältnis zu Jesus Christus und zu dem, was er für uns bedeutet.
 
Die Apostel kannten Jesus.
 
Drei Jahre lang waren sie mit ihm unterwegs gewesen. Sie hatten erlebt, wie er Wunder tat und wie er lehrte.
Sie hatten alles miterlebt.
 
Und trotzdem hatten sie ihren Meister im entscheidenden Punkt nicht verstanden.
Sie verstanden nicht, warum Jesus wie ein Verbrecher am Kreuz sterben musste.
 
Das ging nicht in ihre Köpfe hinein.
 
Deshalb kamen nach Karfreitag Resignation und Enttäuschung.
 
Doch als sie vom Heiligen Geist erfüllt werden, erkennen sie plötzlich:
Dass Jesus gekreuzigt wurde, war keine Panne im Heilsplan Gottes.
Es war genau der Weg der Erlösung.

„Es ist vollbracht“

Wenn Jesus am Kreuz als Letztes ruft:
„Es ist vollbracht“,
dann ist das nicht einfach ein Schrei des Schmerzes im Sinne von:
„Gott sei Dank, jetzt ist es vorbei.“
Es ist ein Triumph:
Die Erlösung ist vollbracht.
 
Damit ist von Gottes Seite her die Frage geklärt.
 
Entscheidend ist nun, ob ich dieses Geschenk für mich persönlich annehme.
 
Genau das verstanden die Jünger auf einmal.
 
Und genau das gilt es auch heute zu verstehen und immer wieder neu zu verinnerlichen.

Die Schuldfrage ist geklärt

Die Schuldfrage ist geklärt.
 
Was für eine befreiende Botschaft.
 
Was immer ich getan habe: Mit Jesus wurde es ans Kreuz geheftet.
 
Diese Heilstat muss ich nicht verdienen.
 
Sie ist keine Belohnung für meine Leistungen.
Sie ist ein Geschenk.
Ein Geschenk, das niemals verblasst.
Und eines, das niemals langweilig wird.
 
Petrus, der fünfzig Tage vorher noch mit den anderen hinter verschlossenen Türen saß, steht jetzt, vom Heiligen Geist erfüllt, freimütig auf dem Tempelplatz.
 
Er verkündigt:
Diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, hat Gott auferweckt und bestätigt.
Durch ihn sind wir frei geworden von unserer Schuld.
 
Das ist bis heute die allerbeste Botschaft:
Es gibt einen Erlöser für uns.
Und der Weg der Erlösung ist der Weg des Kreuzes.

„Was müssen wir tun?“

Als Petrus in seiner Pfingstpredigt an diesen Punkt kommt, geht den Zuhörern seine Botschaft zu Herzen.
 
Sie fragen:
„Was müssen wir tun?“
 
Sie sehen die Freude, Kraft und Bewegung bei den Jüngern und möchten ebenfalls den Heiligen Geist empfangen.
 
Petrus gibt ihnen eine ganz nüchterne Antwort.
 
Er sagt nicht:
„Hebt einfach die Hände hoch, singt Halleluja und meldet euch im Kirchenchor an.“
Er sagt:
„Kehrt um und lasst euch taufen, damit eure Sünden vergeben werden. Dann werdet auch ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.“
 
Es ist die gleiche Botschaft, mit der schon Johannes der Täufer auftrat:
Kehrt um und glaubt an das Evangelium.
 
Und es ist die Botschaft, die auch Jesus verkündigt hat:
Kehrt um. Das Himmelreich ist nahe.

Den Glauben persönlich annehmen

Ich gehe davon aus, dass viele, die diese Predigt hören, getauft sind.
Viele wurden als kleine Kinder getauft.
 
Zur Taufe gehört aber auch das persönliche Annehmen des Glaubens.
 
Deshalb ist es wichtig, im späteren Leben bewusst Ja zu sagen.
Dieser Vorgang wird manchmal Bekehrung, Wiedergeburt oder Neugeburt genannt.
 
Wie wir ihn bezeichnen, ist letztlich nicht entscheidend.
 
Wichtig ist, dass es geschieht.
 
Dass wir uns bewusst zu dem bekennen, was in der Taufe sichtbar geworden ist:
Das alte Leben wird zurückgelassen und ein neues Leben beginnt.

Es braucht keine großen Worte

Wenn das in meinem Leben noch nicht bewusst geschehen ist, kann es jederzeit und überall geschehen.
Auch heute.
 
Vielleicht jetzt, während jemand diesen Gottesdienst zu Hause auf dem Sofa anschaut.
 
Dafür braucht es keine großen Worte.
 
Es können ganz einfache Sätze sein:
Jesus, du sollst Herr sein in meinem Leben.
Ich möchte, dass dein Wille in meinem Leben geschieht.
Ich möchte, dass du groß wirst und verherrlicht wirst.
Schenke mir die wunderbare Gabe des Heiligen Geistes.
 
Entscheidend ist nicht die genaue Wortwahl.
 
Entscheidend ist, dass ich es ernst meine.
Dass mein Herz dabei ist.
Dass es in meinem Herzen geschieht.

Gottes Einladung bleibt offen

Irgendwann braucht es dieses persönliche Ja.
 
Auch bei der Konfirmation sind junge Menschen eingeladen, ihre Taufe zu bestätigen und bewusst Ja zum christlichen Glauben und zur Kirche zu sagen.
 
Die Betonung liegt auf bewusst.
 
Bei manchen geschieht dieses Ja wirklich von innen heraus.
Bei anderen vielleicht noch nicht.
 
Aber Gottes Einladung bleibt bestehen.
Auch nach der Konfirmation.
 
Gott wird nicht müde, uns immer wieder einzuladen.
 
Er sagt nicht:
„Ich habe dich einmal eingeladen und du bist nicht gekommen. Jetzt ist die Tür zu.“
Nein.
 
Gott lädt mich auch dann noch ein, wenn ich die Orientierung in meinem Glauben völlig verloren habe.
Auch dann, wenn mir mein Glaube, meine Kirche oder der Gottesdienst langweilig geworden sind.
Selbst wenn ich das Ziel völlig aus den Augen verloren habe.

Nie mehr Langeweile

Immer wieder erleben Menschen diese Erfahrung.
 
Jugendliche ebenso wie Menschen, die siebzig oder achtzig Jahre alt sind.
 
Da entsteht neue Freude.
 
Da kommt die Kraft des Heiligen Geistes in einen Menschen und in sein Glaubensleben.
 
Und im Gottesdienst werde ich dann wohl auch nicht mehr einschlafen wie der Konfirmand in unserer Geschichte am Anfang.
 
Denn wenn mich der Heilige Geist erst einmal ergriffen hat, ist das alles andere als langweilig.
 
Amen.