Loslassen und darauf vertrauen, dass Gott dich hält | Josua 1, 5b
- 13.04.2020 -
Ostermontag
Was wäre, wenn Loslassen nicht bedeuten würde, den Halt zu verlieren? Ein Trapezkünstler kann das nächste Trapez erst greifen, wenn die Hände das alte losgelassen haben. Prädikant Dr. Ernst Volz verbindet dieses Bild mit „Hans im Glück“ und einer Erfahrung, die viele Menschen kennen: Gerade Sorgen, Ängste und Schuld lassen sich besonders schwer loslassen. Doch der christliche Glaube verbindet Loslassen mit einer Zusage: Gott lässt uns nicht fallen.
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Loslassen klingt einfach. Doch gerade Sorgen, Ängste und Schuld gehören zu den Dingen, an denen wir uns oft besonders festklammern.
Prädikant Dr. Ernst Volz verbindet in dieser kurzen Predigt zwei überraschende Bilder: „Hans im Glück“ und Trapezkünstler im Zirkus.
Ein Trapezkünstler kann das nächste Trapez erst greifen, wenn die Hände das alte losgelassen haben. Entscheidend ist dabei das Vertrauen, aufgefangen zu werden.
Genau darin liegt die Verbindung zum Glauben: Wir dürfen Jesus unsere Sorgen, unsere Schuld und unsere Ängste anvertrauen. Loslassen heißt nicht, ins Leere zu fallen.
Gottes Zusage lautet:
„Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.“
„Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.“
- Bibelwort: Josua 1, 5b
- Predigt: Prädikant Dr. Ernst Volz
- Ostermontag 2020
Predigt „Loslassen und darauf vertrauen, dass Gott dich hält“ - Josua 1, 5b
(13. April 2020, Prädikant Ernst Volz, Evangelische Kirche Steinen)
Loslassen
Heute geht es um das Thema Loslassen.
Ich bin überzeugt, dass es zu den wichtigsten Dingen in unserem Leben gehört, Dinge loszulassen. An erster Stelle diejenigen, die uns beschweren, die uns Mühe machen und uns belasten.
Wenn uns das gelingt, kann unser Leben und unser Alltag wieder ganz anders aussehen. Wir werden mehr von unserem Leben haben und unser Leben bekommt eine neue Zukunftsperspektive, auch in einer unsicheren und belastenden Zeit.
Die Bibel sagt uns nicht nur, dass Loslassen tatsächlich gelingen kann. Sie fordert uns geradezu dazu auf, gewisse Dinge loszulassen. Und sie zeigt uns auch, wie dies möglich ist.
Zuerst möchte ich aber mit Ihnen einen Blick auf ein sehr bekanntes Märchen werfen, in dem es ebenfalls ums Loslassen geht und darum, wie unser persönliches Glück davon abhängen kann.
Hans im Glück
Es ist das Märchen „Hans im Glück“ von den Brüdern Grimm.
Viele kennen diese Geschichte aus ihrer Kindheit.
Hans ist mit schweren Lasten auf dem Weg zurück zu seiner Mutter. Nach sieben Jahren harter Arbeit hat er von seinem Meister als Lohn einen Klumpen Gold bekommen.
Diesen tauscht er gegen ein Pferd. Das Pferd gegen eine Kuh. Die Kuh gegen ein Schwein, das Schwein gegen eine Gans und die Gans schließlich gegen einen Schleifstein.
Am Ende fällt auch dieser Schleifstein noch in einen Brunnen.
Hans sieht den Stein in der Tiefe versinken, springt vor Freude auf, kniet nieder und dankt Gott mit Tränen in den Augen dafür, dass er auf so gute Weise von diesem schweren Stein befreit worden ist.
Der Stein war das Einzige, das ihm noch hinderlich gewesen war.
Hans ruft:
„So glücklich wie ich gibt es keinen Menschen unter der Sonne.“
Mit leichtem Herzen und frei von aller Last springt er weiter, bis er schließlich bei seiner Mutter zu Hause ankommt.
Unsere Lasten sehen anders aus
Unsere Lasten sind normalerweise keine Goldklumpen, keine Pferde, Kühe, Schweine, Gänse oder Schleifsteine.
Meistens sind es unsere Sorgen, unsere Schuld, unsere Ängste und all das, womit wir uns als Menschen belasten und zu kämpfen haben.
Ich bin sicher: Jeder von uns kennt seine eigenen Lasten ziemlich genau.
Als Kind habe ich bei „Hans im Glück“ immer gedacht:
Warum tauscht Hans um alles in der Welt diesen wertvollen Goldklumpen ein?
Nennt man ihn nicht gerade wegen dieses Goldklumpens „Hans im Glück“?
Doch in diesem Märchen steckt eine tiefe Weisheit:
Um ein innerlich zufriedener und glücklicher Mensch zu sein, muss ich loslassen können.
Ich muss loslassen können, was mich unnötig belastet, um frei zu werden.
Und ich muss mich selbst so annehmen, wie ich bin.
Nur dadurch kann ich meinen eigenen Lebensweg finden und unbeschwert und froh meinen Weg gehen.
Frei durch Loslassen
Der entscheidende Augenblick im Märchen ist der Moment, in dem Hans auch noch das Letzte loslassen kann, was ihn beschwert: den Schleifstein.
Jetzt fühlt er sich als der glücklichste Mensch auf der Welt.
In dem Moment, in dem er alles losgelassen hat, wird er frei und glücklich.
Er trauert dem, was er eingetauscht und verloren hat, nicht nach. Er genießt den Augenblick.
Aber wir wissen aus eigener Erfahrung:
Gerade das Loslassen von Ängsten, Sorgen und Schuld macht uns oft die größten Probleme.
Was Trapezkünstler über das Loslassen wissen
Dazu ein Vergleich aus dem Zirkus.
Manchmal geht es in unserem Leben ja tatsächlich zu wie in einem Zirkus.
Mich haben bei Zirkusvorstellungen immer besonders die Trapezkünstler beeindruckt. Noch heute stockt mir der Atem, wenn ich diese waghalsigen Kunststücke sehe.
Im Grunde basiert ihre Kunst in der Luft auf einem einfachen Prinzip:
Im richtigen Moment loslassen.
Sie können das andere Trapez erst dann erreichen, wenn sie das bisherige loslassen.
Als Zuschauer gewinnt man den Eindruck, dass dies in einem ganz bestimmten Rhythmus geschieht.
Immer wieder lassen die Artisten das, woran sie sich bisher festgeklammert haben, hinter sich. Vor ihnen liegt das nächste Trapez. Wenige Augenblicke später müssen sie schon wieder loslassen.
Sie bringen sich damit nicht einfach in Gefahr. Es handelt sich um ein genau abgestimmtes Zusammenspiel.
Problematisch wird es erst dann, wenn einer der Artisten den Moment zum Loslassen verpasst.
Sorgen bei Jesus loslassen
So ist es auch in unserem Leben.
Im ersten Petrusbrief heißt es:
„Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“
Und Jesus selbst sagt:
„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“
Bei Jesus Christus dürfen wir loslassen, was uns Sorge macht und was uns belastet.
Er kümmert sich darum und befreit uns von unserer Last.
Aber zuallererst müssen wir unsere Hände öffnen.
Wir müssen loslassen.
Wer die Hände öffnet und loslässt, kann die Erfahrung machen, aufgefangen und gehalten zu werden.
Das klingt natürlich leichter, als es in der Praxis ist.
Doch wir dürfen uns darauf verlassen, dass Gott uns im richtigen Augenblick auffängt.
Deshalb gibt er uns durch den Propheten Josua ein wunderbares Versprechen:
„Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.“
Wer ist der eigentliche Held am Trapez?
Das Bild der Trapezkünstler hat auch den bekannten Priester und Theologen Henri Nouwen beeindruckt.
Während eines Sommerurlaubs schloss er sich einmal für einige Zeit einer Gruppe von Trapezkünstlern an.
Der Leiter der Gruppe erklärte ihm sinngemäß:
Alle applaudieren demjenigen, der den Sprung macht. Die Zuschauer glauben, dass der Springer der eigentliche Held sei.
Aber der eigentliche Held ist der Fänger.
Der Springer muss gar nicht versuchen, sich selbst zu retten.
Er muss loslassen, seine Hände ausstrecken und darauf vertrauen, dass der Fänger im richtigen Augenblick da ist und ihn auffängt.
Von Jesus aufgefangen
Genauso ist es mit Jesus.
Jesus wartet darauf, dass wir unseren alten Menschen mit seinen Sorgen, seiner Schuld und seinen Ängsten loslassen.
Damit Jesus uns auffangen und festhalten kann.
Damit wir am Ende als neue Menschen dastehen.
Nicht als große Glaubenshelden.
Aber als fröhliche und erlöste Christen, die sich vorbehaltlos auf Jesus verlassen können.
Auf unseren Herrn Jesus Christus, der uns mit Sicherheit auffängt, wenn wir ihm unsere Hände entgegenstrecken.
Darauf dürfen wir vertrauen, wenn Gott zu uns sagt:
„Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.“
Amen.