Wenn der Tod nicht das Letzte ist | Johannes 20, 11 - 16
- 12.04.2020 -
Ostersonntag 2020
Was wäre, wenn der Tod wirklich das letzte Wort hätte? Maria aus Magdala steht weinend vor dem leeren Grab und versteht zunächst selbst nicht, was geschehen ist. Erst als Jesus sie beim Namen nennt, erkennt sie den Auferstandenen. Pfarrer i. R. Wolfgang Gehring nimmt diese Begegnung zum Ausgangspunkt für die entscheidende Osterfrage: Was verändert sich für unser Leben, wenn der Tod eben nicht das Ende ist?
Weitere Predigten und Livestreams:
Zum YouTube-Kanal Ev. Kirchengemeinde Steinen
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Ist der Tod wirklich das Letzte?
Am leeren Grab steht Maria aus Magdala weinend und ratlos. Selbst als sie Jesus begegnet, erkennt sie ihn zunächst nicht. Erst als der Auferstandene sie beim Namen nennt, begreift sie: Jesus lebt.
In seiner Osterpredigt geht Pfarrer i. R. Wolfgang Gehring dieser Hoffnung in drei Schritten nach:
- Wenn der Tod das Letzte wäre …
- Wenn da nicht das leere Grab wäre …
- Wenn da nicht der auferstandene Jesus wäre …
Ostern 2020 entstand dieser Gottesdienst mitten in der Corona-Pandemie. Gerade angesichts von Krankheit, Angst und Tod stellt die Predigt die grundlegende christliche Hoffnung in den Mittelpunkt: Der Tod bleibt real – aber er ist nicht das Ende.
„Ich lebe, und ihr sollt auch leben.“
Predigttext: Johannes 20, 11 - 16
Lieder im Gottesdienst:
- EG 99: Christ ist erstanden
- EG 272: Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen
- EG 100: Wir wollen alle fröhlich sein
- EG 103: Gelobt sei Gott im höchsten Thron
- EG 157: Lass mich dein sein und bleiben
CCLI-Liedlizenz 5100265
Predigt zu: „Wenn der Tod nicht das Letzte ist“ - Johannes 20, 11 - 16
(12. April 2020, Pfarrer i.R. Wolfgang Gehring, Ev. Kirchengemeinde Steinen)
Predigttext: Johannes 20,11–16
Maria blieb draußen vor dem Grab stehen und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich vor, um in das Grab hineinzuschauen.
Da sah sie an der Stelle, an der der Leib Jesu gelegen hatte, zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen am Kopfende und den anderen am Fußende.
Die Engel fragten:
Warum weinst du, liebe Frau?
Maria antwortete:
Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin sie ihn gebracht haben.
Auf einmal stand Jesus hinter ihr. Maria drehte sich zu ihm um und sah ihn, erkannte ihn jedoch nicht.
Jesus fragte:
Warum weinst du, liebe Frau? Wen suchst du?
Maria dachte, es sei der Gärtner, und sagte:
Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir bitte, wo du ihn hingelegt hast. Dann hole ich ihn wieder.
Da sagte Jesus:
Maria!
Sie wandte sich um und rief:
Rabbuni!
Das heißt: Meister.
Eine herausfordernde Zeit
Liebe Gemeinde, liebe Zuschauer,
eine herausfordernde Zeit ist diese Corona-Pandemie, die unser Leben völlig auf den Kopf stellt.
Auf vielen Fernsehkanälen, Internetseiten und im Deutschlandfunk laufen Sondersendungen, damit die Bürger genau informiert sind.
Warum schalten wir diese schlechten Nachrichten nicht einfach ab?
Manchmal tut man das. Doch diesmal ist es anders. Wir selbst fühlen uns betroffen und hoffen alle, mit dem Virus nicht infiziert zu werden. Meine Generation gehört sogar zur Risikogruppe.
In letzter Konsequenz geht es um Leben und Tod.
Mir kommt ein Bild aus einer italienischen Kirche in den Sinn, das ich vor Kurzem gesehen habe. Dort, wo sich sonst die Gemeinde versammelt, stehen lauter Särge, die desinfiziert werden, bevor sie abgeholt werden.
Viele Eindrücke dieser Tage können Angst machen. Ohne Zweifel.
Aber gerade in dieser Situation dürfen und müssen wir kräftig Ostern feiern.
Ist das ein christliches Ablenkungsmanöver, bei dem wir die Wirklichkeit ausblenden?
Nein.
Ostern ist üblicherweise ein nettes Familien- und Frühlingsfest mit Osterhasen und Ostereiern. Keine Sorge, ich will das alles nicht madig machen.
Aber wir Christen feiern an Ostern das Fest des Lebens:
den Sieg über den Tod.
Und das hat eine zentrale Bedeutung für unser Leben.
Es hat alles mit einer Person zu tun:
Jesus Christus.
Wenn der Tod das Letzte wäre
Maria aus Magdala steht am Grab Jesu. Das Felsengrab ist offen, der Stein liegt nicht mehr davor.
Maria war eine Nachfolgerin Jesu. Sie möchte ihm noch die letzte Ehre erweisen. Damals wurden Verstorbene einbalsamiert.
Aber der Leichnam Jesu ist nicht mehr da.
Maria ist außer sich vor Trauer.
Damit komme ich zum ersten Gedanken:
Wenn der Tod das Letzte wäre
Die Bibel spricht vom Tod nicht so, wie man später verharmlosend vom „Freund Hein“ oder vom „Gevatter Tod“ gesprochen hat.
Damit versucht man etwas zu verharmlosen, das eigentlich unfassbar, nicht zu beschönigen und unwiederbringlich ist.
Die Bibel spricht eine andere Sprache:
Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.
So steht es im ersten Korintherbrief.
Das trifft den Nagel auf den Kopf:
Der Tod ist und bleibt unser Feind.
Er macht traurig und ratlos.
So war es auch bei den Nachfolgern Jesu. Sie meinten, bei seiner Kreuzigung ihre Hoffnungen mitbegraben zu müssen. Sie verkrochen sich. Sie verbarrikadierten sich. Sie saßen hinter verschlossenen Türen.
Ich sehe bei ihnen keine Idee, plötzlich einen Auferstehungsglauben zu erfinden und anschließend zu verbreiten.
Auch wir kämpfen gegen den Tod.
Die Krankenhäuser bereiten sich in diesen Krisentagen auf einen steigenden Bedarf an Möglichkeiten zur künstlichen Beatmung vor.
Kampf gegen den Tod.
Viele Menschen merken in diesen Tagen neu, dass unser Leben begrenzt und endlich ist. Sonst fällt es vielleicht leichter, diese unumstößliche Tatsache zu verdrängen.
Ich lebe gerne. Ich halte mich mit Begegnungen derzeit wirklich strikt zurück, weil ich meine Kinder und Enkel auch einmal wieder in den Arm nehmen möchte.
Aber an diesem Ostermorgen müssen wir die entscheidende Frage stellen:
Ist der Tod wirklich das totale Ende?
Wenn da nicht das leere Grab wäre
Damit komme ich zum zweiten Gedanken:
Wenn da nicht das leere Grab wäre
Unser biblischer Bericht zeigt Maria aus Magdala weinend vor dem Grab.
Sie war Zeugin der Kreuzigung und wird nun Zeugin der Auferstehung.
Maria möchte Jesus die letzte Ehre erweisen. Doch der Leichnam ist nicht mehr da.
Sie sieht zwei Gestalten im Grab. Es sind Engel, Gestalten aus einer anderen Wirklichkeit, die den Glanz der Gegenwart Gottes widerspiegeln.
Der Evangelist Johannes geht selbstverständlich von ihrer Existenz aus, genauso wie das gesamte Neue Testament.
Doch Maria versteht noch immer nicht, was geschehen ist.
Ihre Augen sind gehalten.
Sie hat nur eine Sorge:
Wo ist der Leichnam Jesu?
Die weinende und ratlose Maria kann auch ein Bild für uns sein.
Wir erkennen manchmal nicht, dass Jesus auferstanden ist.
Wenn schwierige Dinge in unserem Leben geschehen, blicken wir wie gebannt darauf:
Warum erlebe ich jetzt Leid?
Warum erleben wir eine Zeit wie diese?
Warum muss mir dieses oder jenes Schwere im Leben passieren?
Wir verstehen nicht. Unsere Augen sind gehalten.
Und es ist immer gefährlich, wenn wir Jesus aus dem Auge verlieren.
Das gilt für uns persönlich genauso wie für Kirchen und Gemeinden.
Wenn wir Jesus aus dem Auge verlieren, fehlt uns die Mitte.
Dann fehlen uns Halt und Vertrauen.
Und gerade in schwierigen Zeiten spüren wir dieses Vakuum besonders:
Wer soll uns jetzt noch helfen?
Wenn da nicht der auferstandene Jesus wäre
Damit komme ich zum dritten und wichtigsten Gedanken:
Wenn da nicht der auferstandene Jesus wäre
Auf einmal steht Jesus hinter Maria.
Sie dreht sich zu ihm um und kann ihn zunächst nicht erkennen.
Jesus steht leibhaftig hinter ihr.
Keine Vision. Keine Wunschvorstellung.
Es erscheint uns vielleicht seltsam, dass Maria Jesus nicht gleich erkennt. Doch es ist kennzeichnend für die Erscheinungen Jesu in den Ostertagen, dass er sich in einer neuen Wirklichkeit zeigt.
Er ist nicht mehr an Raum und Zeit gebunden.
Er kann plötzlich erscheinen und wieder verschwinden.
Und doch ist der auferstandene Jesus leibhaftig.
Dann sagt Jesus nur ein einziges Wort:
Maria!
In diesem Moment fällt es Maria wie Schuppen von den Augen.
Das ist ihr Herr.
Das ist ihr Meister.
Er ist auferstanden.
Er lebt.
Maria wendet sich ihm zu und sagt:
Meister!
Das erinnert mich an ein Wort, das Jesus seinen Jüngern vor seiner Kreuzigung mitgegeben hat:
Meine Schafe hören meine Stimme.
Die Auferstehung ist bezeugt
Die Auferstehung Jesu ist gut bezeugt.
Im ersten Korintherbrief lesen wir:
Der Auferstandene zeigte sich zunächst Petrus, dann dem Kreis der Zwölf. Später zeigte er sich mehr als fünfhundert seiner Nachfolger auf einmal.
Danach zeigte er sich Jakobus und schließlich allen Aposteln.
Wenn der Tod das Letzte wäre, wäre das niederschmetternd.
Aber wir feiern heute die Auferstehung Jesu.
Das heißt:
Er ist auferstanden.
Er lädt Sie und mich ein, ihm nachzufolgen, ihm zu vertrauen und an ihn zu glauben.
Und damit bekommen wir Anteil am ewigen Leben.
Wir müssen sterben. Wir müssen durch dieses tiefe Tal hindurchgehen.
Aber der Tod ist nicht das Letzte.
Leben mit Jesus heißt:
Wir dürfen vom Tod zum ewigen Leben weitergehen.
Das Ende ist nicht das Ende
Dieses Wissen um die Auferstehung ist ein wunderbares Geschenk.
Und ich will Ihnen etwas sehr Persönliches sagen:
Wenn das keine Realität wäre, müsste ich verzweifeln.
Dann hätte ich es nicht ausgehalten, meinen eigenen Sohn zu Grabe zu tragen, der durch einen Unfall ums Leben kam.
Aber weil Jesus lebt, ist das Ende nicht das Ende.
Es ist ein Durchgang zu einem neuen Anfang.
Deshalb laden wir leidenschaftlich und hartnäckig dazu ein, Jesus nachzufolgen.
Im Johannesevangelium heißt es:
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben und nicht verloren gehen.
Nichts kann uns von Jesus trennen
Wir Christen durchleben Krisenzeiten genauso wie unsere Mitmenschen.
Ja, dieses Virus hat uns ganz schön im Griff.
Aber ich bin froh, dass es einen gibt, der uns noch viel mehr im Griff hat und von dem uns nicht einmal dieses Virus trennen kann:
der auferstandene Jesus.
Er ruft denen, die ihm vertrauen, zu:
Ich lebe, und ihr sollt auch leben.
Frohe Ostern.