Ich schenk dir eine Rose | 1. Korinther 11, 23 - 26
- 09.04.2020 -
Gründonnerstag 2020
Was macht eine einzelne Rose zu etwas Besonderem? Nicht ihre Farbe oder ihre Form, sondern die Bedeutung, die sie bekommt, wenn ein Mensch sie aus Liebe verschenkt. Mit diesem einfachen Bild nähert sich Prädikant Dr. Ernst Volz dem Geheimnis des Abendmahls: Was geschieht, wenn Jesus ganz gewöhnliches Brot und Wein mit seiner persönlichen Zusage verbindet – „für dich gegeben“?
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Eine Rose ist zunächst einfach eine Blume. Doch wenn ein Mensch sie einem geliebten Menschen schenkt, wird aus etwas Gewöhnlichem ein ganz persönliches Zeichen der Liebe.
Mit diesem Bild erklärt Prädikant Dr. Ernst Volz, was beim Abendmahl geschieht: Auch Brot und Wein sind zunächst etwas Alltägliches.
Jesus verbindet sie jedoch mit seiner persönlichen Zusage:
„Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.“
Brot und Wein werden zum sichtbaren Zeichen seiner Hingabe und seiner Liebe zu uns. Die Andacht zum Gründonnerstag 2020 lädt dazu ein, das Abendmahl als persönliches Geschenk Jesu neu wahrzunehmen – und sich daran zu erinnern, was Jesus am folgenden Tag am Kreuz für uns getan hat.
- Predigttext: 1. Korinther 11, 23 - 26
- Prädikant Dr. Ernst Volz
- Gründonnerstag 2020
Predigt „Ich schenk dir eine Rose“ - 1. Korinther 11, 23 - 26
(9. April 2020, Prädikant Ernst Volz, Evangelische Kirche Steinen)
Predigttext: 1. Korinther 11,23–26
Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach's und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis.
Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis.
Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus diesem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.
Ich schenk dir eine Rose
Heute möchte ich Ihnen etwas ganz persönlich schenken. Oder besser gesagt: weiterschenken.
Und zwar eine Rose.
Vielleicht haben Sie die Rosen schon auf dem Altar entdeckt. Eher unscheinbar stehen sie dort: diese langen, roten Rosen.
Welche Gedanken kommen bei uns auf, wenn wir eine solche Rose betrachten?
Nur biologisch gesehen ist sie eine Blume oder ein botanisches Gewächs wie viele andere. Sie gehört zu den Rosengewächsen. Den ganzen Sommer über bis in den Herbst wachsen solche oder ähnliche Rosen in vielen einheimischen Gärten. Viele rote, aber auch andersfarbige Rosen werden heutzutage aus fremden Ländern importiert.
So betrachtet bleibt eine Rose trotz ihrer Schönheit eben doch nur eine gewöhnliche Blume unter vielen anderen, die spätestens nach einiger Zeit wieder verwelkt.
Wenn aus einer Blume ein Liebesbeweis wird
Dann aber sucht ein junger Mensch in einem Blumengeschäft eine Rose aus und schenkt sie einem geliebten Menschen.
Dabei geschieht etwas ganz Besonderes, ja etwas Geheimnisvolles.
Diese einzelne Rose wird plötzlich zu etwas Einzigartigem.
Denn der beschenkte Mensch weiß sofort, was damit gesagt werden soll:
Ich liebe dich.
Aus dieser einen Rose, die unter vielen ausgesucht wurde, wird etwas ganz Persönliches: eine sichtbare Liebeserklärung.
Wie reagiert der beschenkte Mensch?
Wird die Rose einfach in irgendeine Vase gestellt und irgendwo dort platziert, wo gerade Platz ist?
Wohl kaum.
Voller Freude wird die schönste Vase ausgesucht und die Rose für alle sichtbar auf den Tisch gestellt.
Was ist mit dieser Rose geschehen?
Form und Farbe haben sich nicht verändert. Von außen betrachtet ist sie immer noch dieselbe Rose.
Und doch ist aus dieser einfachen Blume etwas ganz Besonderes geworden:
ein Liebesbeweis.
Jesus nimmt Brot und Wein
Gehen wir zweitausend Jahre zurück.
Jesus verbringt seinen letzten Abend vor seiner Kreuzigung gemeinsam mit seinen Jüngern im Abendmahlssaal.
Er hält mit ihnen das Mahl, wie es gläubige Juden zum Gedenken an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten feiern.
Jesus greift zum Brot. Mit großer Wahrscheinlichkeit war es ungesäuertes Fladenbrot.
Dann gibt er ein Stück davon weiter und spricht jene Worte, die wir bis heute beim Heiligen Abendmahl in etwas abgewandelter Form hören:
Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.
„Christi Leib, für dich gegeben“, sagen wir heute bei der Austeilung des Brotes.
Dann nimmt Jesus den Kelch mit dem Wein. Vermutlich war es ein ganz einfacher Wein.
Aber das Entscheidende ist:
Jesus macht aus dem ganz gewöhnlichen Brot und dem ganz gewöhnlichen Wein etwas Besonderes.
Sichtbare Zeichen seiner Liebe
Genauso wie aus einer gewöhnlichen Rose durch das Verschenken etwas ganz Persönliches wird, macht Jesus aus Brot und Wein ein sichtbares Zeichen seiner Hingabe und seiner Gegenwart:
Mein Leib, für euch gegeben.
Mein Blut, für euch vergossen.
Natürlich kann man sagen: Das sieht doch aus wie Brot. Es schmeckt wie Brot. Das ist doch Wein.
Aber genauso könnte man bei der Rose sagen: Sie sieht aus wie jede andere Rose, mit Stängel, Blättern und Blüte.
Und doch ist sie zum persönlichen Liebesbeweis geworden.
In diesem Sinn werden Brot und Wein zu einem Zeichen des größten Liebesbeweises, den die Menschheit erfahren hat:
Christi Leib, für dich gegeben.
Christi Blut, für dich vergossen.
Christi Blut, für dich vergossen.
Geliebt bis ans Ende
Der Bericht des Johannes über Jesu letzten Abend mit seinen Jüngern beginnt mit den Worten:
Und wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende.
Wenn wir Brot und Wein beim Abendmahl empfangen, wird uns Jesus mit seiner Liebe gegenwärtig.
Ganz persönlich.
Am folgenden Tag stirbt Jesus am Kreuz. Sein Leib wird tatsächlich verwundet und sein Blut vergossen.
Vielleicht haben sich die Jünger dann wieder an das erinnert, was Jesus am Abend zuvor gesagt hatte:
Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Das tut zu meinem Gedächtnis.
Auch heute erinnern wir uns im Abendmahl daran, was Jesus getan hat.
Wenn vor der Austeilung seine Worte gesprochen werden:
Das ist mein Leib, für euch dahingegeben.
Das ist mein Blut, für euch vergossen.
Wenn wir das Brot empfangen und den Wein trinken und unser Amen dazu sagen, erinnern wir uns an das Liebesangebot, das Jesus uns gemacht hat.
Er schenkt uns damit gewissermaßen seine Rose, sein Zeichen der Liebe.
Und es ist ein ganz persönliches Geschenk an jeden Einzelnen von uns.
Ein Geschenk, das nicht jeder annimmt
Nun könnte man denken: Ein solches großartiges Geschenk nimmt doch jeder gerne an.
Aber keineswegs.
Viele Menschen können mit diesem Geschenk nichts anfangen. Manche hätten anstelle der Dornenkrone vielleicht lieber eine prächtige goldene Königskrone gesehen.
Für viele ist die Botschaft des Kreuzes Torheit.
Paulus schreibt:
Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist es Gottes Kraft.
Hier scheiden sich die Geister.
Die einen nehmen dieses einzigartige Geschenk an, die anderen lehnen es ab.
Eine Beziehung zu Jesus
Wer sich von Jesus berühren lässt und dieses Geschenk annimmt, begreift, worum es geht:
um eine einzigartige und persönliche Beziehung zu Jesus und damit auch zu unserem dreieinigen Gott.
Es geht um eine innige Beziehung.
Dabei geht es nicht nur um Verstand oder menschliche Logik. Denn mit dem Kreuz Christi wird die menschliche Logik auf den Kopf gestellt.
Paulus fragt sinngemäß:
Wo sind die Weisen dieser Welt? Hat Gott nicht die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht?
Es ist nicht entscheidend, wie klug, stark oder mächtig wir sind.
Nicht entscheidend ist, wie groß unser Wissen ist, wie intelligent, unterhaltsam, angesehen oder einflussreich wir sind.
All das kann sein. Es muss aber nicht sein.
Wirklich wichtig ist, das Geschenk anzunehmen, das Jesus uns macht.
Er selbst verschenkt sich an uns, so wie ein verliebter Mensch dem geliebten Menschen eine Rose schenkt.
Die Rose hat Dornen
Aber wir kennen auch die Dornen einer Rose.
Und wir wissen: Diese Dornen können stechen.
Liebe hat oft auch mit Leiden zu tun.
In unserer Umgangssprache sagen wir manchmal:
Ich mag dich leiden.
Wer wirklich liebt, ist auch bereit, für den anderen Leiden auf sich zu nehmen.
Wie tief das gehen kann, sehen wir im Zusammenhang von Abendmahl, Gründonnerstag und dem Leidensweg Jesu am Karfreitag.
Wenn wir im Abendmahl unsere Beziehung zu Jesus neu bekräftigen, gilt auch:
Liebende freuen sich miteinander. Sie leiden aber auch miteinander.
Jesus für uns, und wir mit ihm.
Jesus, das Brot des Lebens
Im Abendmahl geschieht noch etwas ganz Persönliches:
Jesus kommt uns nahe.
Und wenn wir es wollen, nicht nur im Gottesdienst oder beim Abendmahl, sondern jederzeit.
Wenn wir im Vaterunser beten:
Unser tägliches Brot gib uns heute,
dann denke ich dabei nicht nur an das Nahrungsmittel Brot.
Viele Dinge unseres Lebens sind für einen Augenblick angenehm und schön. Sie können uns kurzfristig erfüllen.
Aber auf Dauer machen sie uns nicht satt.
Jesus dagegen sagt:
Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern.
Und:
Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit.
Im Abendmahl begegnet uns dieses Brot des Lebens.
Darum dürfen wir immer wieder zu ihm kommen und uns von ihm beschenken lassen:
mit Vergebung, Leben und Seligkeit.
Was für ein Horizont tut sich da für unser Leben auf.
Ein ganz persönliches Geschenk
Liebe Geschwister,
auch wenn zurzeit keine öffentliche Abendmahlsfeier stattfinden kann, darf dieses kostbare Geschenk Jesu im kleinen Kreis der Familie bedacht und gefeiert werden.
Das Entscheidende bleibt die persönliche Zusage:
Christi Leib, für dich gegeben.
Christi Blut, für dich vergossen.
Christi Blut, für dich vergossen.
Ich wünsche Ihnen und bete dafür, dass Jesus Ihnen dabei ganz nahe ist und Sie mit neuer Kraft und Zuversicht erfüllt.
Bleiben Sie gesund.
Gott segne und behüte Sie.