Wer trägt dein Kreuz mit dir? | Matthäus 27, 31 - 32

- 04.04.2020 - 

Passionszeit 2020

Simon von Kyrene wollte vermutlich einfach seines Weges gehen. Doch plötzlich wird er Teil der Passionsgeschichte: Die Soldaten zwingen ihn, das Kreuz Jesu zu tragen. Eine scheinbare Randfigur wird damit zum Bild für eine Grundfrage des Glaubens: Was bedeutet es, Jesus nachzufolgen und Lasten zu tragen, die wir uns nicht ausgesucht haben? Eine Passionsbetrachtung über Nachfolge, Vertrauen und die Kraft, die Gott zum Tragen schenkt.

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Auf dem Weg zur Kreuzigung zwingen die Soldaten Simon, Jesus das Kreuz nachzutragen. Pfarrer Dr. Jochen Eber nimmt diese kurze Begegnung aus Matthäus 27 zum Ausgangspunkt für die Frage, was Nachfolge bedeutet.
 
Jesus selbst spricht davon, das eigene Kreuz auf sich zu nehmen und ihm nachzufolgen. Das heißt nicht, dass wir unsere Lasten allein tragen müssen. Gerade in schwierigen Zeiten dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott auch die Kraft schenkt, die Last zu tragen.
 
„Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn; er wird's wohlmachen.“ (Psalm 37)
 
  • Bibeltext: Matthäus 27, 31 - 32
  • Pfarrer Dr. Jochen Eber
  • Passionszeit 2020

Predigt „Wer trägt dein Kreuz mit dir?“ - Matthäus 27, 31 - 32

(4. April 2020, Pfarrer Jochen Eber, Evangelische Kirche Steinen)

Schriftlesung: Matthäus 27, 31 - 32

Als die Soldaten Jesus verspottet hatten, zogen sie ihm den Mantel aus und zogen ihm seine Kleider an und führten ihn ab, um ihn zu kreuzigen.
Und als sie hinausgingen, fanden sie einen Menschen aus Kyrene mit Namen Simon; den zwangen sie, dass er ihm sein Kreuz trug.
Jesus unter der Last des Kreuzes
 
Liebe Gemeinde,
 
Jesus fällt hin. Unter der schweren Last des Kreuzes bricht er zusammen.
 
So sehen wir es heute wiederum auf einem Bild. Zwei Folterknechte schlagen auf ihn ein. Sein Blut tropft auf die Erde.
 
Das Bild sieht ähnlich aus wie Christus an der Geißelsäule. Doch diesmal kommt etwas Neues ins Bild: Im Hintergrund schaut jemand aus einem Fenster auf diese Szene herab. Eine Person hebt wie hilflos oder betend die Handflächen zum Himmel.
 
Ein Betrachter. Einer von vielen, die dabei waren und uns unbekannt geblieben sind.
 
Heute wollen wir uns aber mit einer bekannten Randfigur der Passionsgeschichte beschäftigen:
Simon von Kyrene.

Simon von Kyrene

Simon kommt aus Kyrene, einer Stadt an der Küste Nordafrikas im heutigen Libyen.
 
Das Markusevangelium, das sich ansonsten immer sehr kurz fasst, weiß an dieser Stelle mehr als die anderen Evangelien:
Sie zwangen einen Vorübergehenden mit Namen Simon von Kyrene, der vom Feld kam, der Vater des Alexander und Rufus, dass er ihm das Kreuz trage.
 
Simon kam vom Feld. Er lebte und arbeitete also dort in Jerusalem.
 
Damit kommen wir auf die Spur von Juden aus der Diaspora. Menschen waren aus verschiedenen Regionen nach Jerusalem gezogen, um dort zu leben.
 
Auch die Apostelgeschichte berichtet später mehrfach von Menschen aus Kyrene. Schon in früher Zeit der christlichen Mission finden wir Menschen aus Kyrene unter den Christen.

Alexander und Rufus

Von Simon wird ausdrücklich gesagt, dass er der Vater zweier Söhne war:
Alexander und Rufus.
 
Wem nützt diese Nachricht?
 
Sie ist vor allem dann nützlich, wenn Alexander und Rufus den Menschen bekannt sind, denen das Markusevangelium vorgelesen wird.
Alexander und Rufus waren offenbar in der christlichen Gemeinde bekannt.
 
Simon, ihr Vater, ist nun der erste, der das Kreuz Jesu tragen muss.
Er muss es hinter Jesus hertragen.
Jesus nachtragen.

Was Nachfolge bedeutet

Da sehen wir, was Nachfolge Jesu bedeutet.
 
Jesus selbst hat gesagt:
Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach.
Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es erhalten.
Denn welchen Nutzen hätte der Mensch, wenn er die ganze Welt gewänne und verlöre sich selbst oder nähme Schaden an sich selbst?
 
Jesus hat das nicht nur einmal gesagt.
 
Nachfolge kann auch Leiden bedeuten.
 
In der besonderen Situation unserer Zeit kann das beispielsweise die Angst um die eigene Familie sein. Die Sorge darum, wie es den Kindern oder den alten Eltern in den nächsten Tagen und Wochen gehen wird.
 
Das ist noch nicht einmal ein Leiden, weil wir wegen unseres Glaubens als Christen Nachteile erleiden müssten.
 
Aber trotzdem wollen wir auch in dieser Situation unserem Herrn Jesus nachfolgen.
 
Denn auch jetzt leben wir nicht ohne ihn.

„Befiehl dem Herrn deine Wege“

König David hat in Psalm 37 gebetet:
Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn; er wird's wohlmachen.
Sei stille dem HERRN und warte auf ihn.
 
Wenn es eine Hilfe gibt, dann kommt sie von ihm, von Gott, dem Herrn.
Ihm will ich nachfolgen.
Auf ihn will ich auch heute und jetzt vertrauen.

Ein kleines Mosaiksteinchen

Simon hat als Erster das Kreuz Jesu getragen.
Er war nur eine kleine Figur am Rande der großen Geschichte Gottes mit den Menschen.
 
Auch ich bin nur eine kleine Figur in dieser großen Geschichte, die Gott mit uns Menschen schreibt.
Aber ich will das Kreuz tragen, so wie Simon es getragen hat.
 
Nimm mich, Herr, als ein kleines Mosaiksteinchen in das große Bild vom Reich Gottes.
 
Baue auch meine Kinder darin ein, so wie du Simon, Alexander und Rufus gerufen hast, dass sie dir nachfolgen.
Lade uns alle ein, alle, die diese Botschaft vom Reich Gottes hören, alle, die an Jesus Christus glauben, der für uns gestorben und wieder auferstanden ist.

Gott gibt auch die Kraft zum Tragen

An Simon erfüllt sich zum ersten Mal, was Jesus vorhergesagt hat:
Seine Nachfolger werden ihr Kreuz tragen müssen.
 
Jeder auf seine Weise.
 
Wir wollen Gott bitten, dass er uns nicht nur das Kreuz auferlegt, sondern uns auch die Kraft gibt, es zu tragen.
 
So hat Jesus es versprochen:
Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.
Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.
 
Amen.