König trotz Dornenkrone | Matthäus 26, 63 - 68
- 03.04.2020 -
Passionszeit 2020
Geschlagen, verspottet und mit einer Dornenkrone versehen: Äußerlich ist Jesus an einem Tiefpunkt angekommen. Doch gerade in dieser Erniedrigung stellt die zweite Passionsbetrachtung eine andere Frage: Wer ist dieser Jesus wirklich? Pfarrer Dr. Jochen Eber richtet den Blick auf die Verurteilung Jesu und darauf, warum Jesus auch im Leiden der bleibt, der er ist.
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In der zweiten Passionsbetrachtung richtet Pfarrer Dr. Jochen Eber den Blick auf die Verurteilung und Misshandlung Jesu. Vor dem Hohenpriester bekennt Jesus sich als Christus und Sohn Gottes. Später machen die römischen Soldaten ihn zum Spottkönig.
Doch gerade in seiner tiefsten Erniedrigung bleibt Jesus Christus nach der Auslegung König, Priester und Prophet. Sein Leiden nimmt ihm nicht seine Würde und Identität.
Die Aufnahme entstand während der Passionszeit 2020.
- Bibeltexte: Matthäus 26,63–68 und Matthäus 27,26–31
- Pfarrer Dr. Jochen Eber
- Passionszeit 2020
Predigt „König trotz Dornenkrone“ - Matthäus 26, 63 - 68
(3. April 2020, Pfarrer Jochen Eber, Evangelische Kirche Steinen)
Weg von Corona, hin zu Jesus Christus
Liebe Gemeinde,
Zahlen, Statistiken, Vermutungen: Wo kommt es her? Wie geht es weiter? Alles zur Krise, die das Coronavirus ausgelöst hat.
Auf allen Kanälen nur ein Thema. Manche macht es verrückt, vielen macht es Angst.
Kaum irgendwo kann man hören, dass jetzt die Passionszeit ist, dass jetzt die Karwoche ist.
Ich will für ein paar Minuten Ihren Blick weg von Corona lenken, hin zu Jesus Christus, dem Sohn Gottes.
Der Sohn Gottes wird in die Hände von Menschen ausgeliefert. Der Logos, das Wort Gottes, war dabei, als die Welt erschaffen wurde. Und er wird in dieser Welt von den Menschen, die er mit Gott geschaffen hat, verfolgt, verraten, verurteilt und hingerichtet.
Jesus vor dem Hohenpriester
Heute ist unser Thema, wie Jesus vom Hohenpriester der Juden verurteilt wird.
Sie wollen ihn hinrichten. Sie suchen einen Grund dafür, aber sie finden ihn nicht.
Sie stellen viele falsche Zeugen auf, aber kein Vorwurf ist stichhaltig.
Schließlich fragt der Hohepriester Kaiphas ihn unter Eid:
Bist du Gottes Sohn?
Jesus antwortet:
Du sagst es.
Dann spricht Jesus davon, dass er wieder in Gottes Macht eingesetzt wird, zur Rechten Gottes. Er selbst wird am Gericht Gottes am Ende der Tage teilnehmen. Er wird mit den Heerscharen des Himmels wiederkommen zum Weltgericht.
Jesus ist Gottes Sohn. Er hat die Kraft Gottes und kommt wieder zum Gericht.
Dies finden wir fast wörtlich wieder in unserem Apostolischen Glaubensbekenntnis:
Er sitzt zur Rechten Gottes. Von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Das hat Jesus Christus vor dem höchsten jüdischen Gericht bekannt.
Das ist sein Bekenntnis und das ist auch unser Bekenntnis.
Sich zu Jesus bekennen
Da hören wir im Hintergrund Matthäus 10,32:
Wer mich bekennt vor den Menschen, den werde ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich verleugnet vor den Menschen, den werde ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.
Das hat Jesus gesagt.
Das galt für Simon Petrus, der Jesus verleugnet hat. Ein ernstes Wort.
Es gilt genauso für uns heute, wenn wir unseren christlichen Glauben bekennen oder wenn wir ihn eben nicht mit diesen Worten bekennen.
Ich bekenne mich zu Jesus, wenn ich mein Leben in seine Hand lege.
Jetzt ist viel Panik, Angst und Schrecken wegen der Krankheit, die jeden von uns einholen kann.
Doch gerade jetzt kann ich mich zu Jesus bekennen, wenn ich mein Leben in die Hand Gottes lege.
Jesus verbindet mich mit dem treuen Vater im Himmel. Er hilft mir, dass ich mich nicht auf das Leiden fixiere.
Er schenkt mir die Hoffnung, die den Tod besiegt.
Verurteilt wegen Gotteslästerung
Jesus ist Gottes Sohn.
Für jüdische Ohren ist das, was Jesus sagt, eine Gotteslästerung. Ein Mensch macht sich selbst zu Gott, so meinen seine Ankläger. Ein Prophet überschreitet die Linie. Darauf steht die Todesstrafe.
In höchster Erregung zerreißt Kaiphas, der Hohepriester, sein Obergewand.
Nun ist es überflüssig, weitere Zeugen zu befragen. Er hat es gehört, alle Anwesenden haben es mit ihren eigenen Ohren gehört.
Der Straftatbestand wird festgestellt: Gotteslästerung.
Als Urteil fordern alle die Todesstrafe.
Als Zeichen ihrer Verachtung fangen sie selbst schon an, Jesus zu bestrafen. Die Versammelten verachten ihn. Sie spucken ihn an, sie schlagen ihn.
Mit Schimpf und Schande endet der Prozess.
Die Knechte des Hohenpriesters machen weiter. Sie schlagen Jesus mit Fäusten und verhöhnen ihn:
Weissage uns! Wer hat dich geschlagen?
Jesus bleibt, wer er ist
Auch in dieser tiefsten Erniedrigung durch die Knechte des Hohenpriesters und später durch die römischen Soldaten bleibt Jesus Christus der, der er ist und war:
der Sohn Gottes.
Er ist König.
Er ist Prophet.
Er ist Priester.
Er ist Prophet.
Er ist Priester.
Das zeigt sich auch gerade jetzt, wo er so erniedrigt wird.
Sie sehen in ihm den Messias, den Christus, den Retter des Volkes, und sie wissen, dass ein Prophet die Zukunft kennt.
Sie verspotten ihn und bestätigen zugleich, wer er ist.
Die Folter durch die römischen Soldaten
Dann folgt die Folter durch die römischen Soldaten.
Ein Verbrecher wird freigelassen, Barabbas kommt los. Jesus, der Sündlose, wird hingerichtet.
Pilatus lässt Jesus geißeln. Heute würde man sagen: Er lässt ihn auspeitschen, er lässt ihn foltern.
Die römischen Soldaten verspotten Jesus, indem sie ihn wie einen König behandeln.
Sie geben ihm ein falsches Zepter in die rechte Hand. Sie setzen ihm eine falsche Krone auf den Kopf.
Und als wäre das nicht genug, beugen sie ihre Knie und tun so, als würden sie ihm huldigen.
Schließlich spucken auch sie Jesus an und schlagen ihn mit dem Rohr.
König trotz Dornenkrone
So erniedrigt, so gequält und verhöhnt ist Jesus.
Doch noch immer ist er der König und der wahre Hohepriester.
Er trägt die Dornenkrone.
Jesus ist wahrer Gott auch in seinem Leiden, auch wenn wir das nicht mehr sehen, sondern nur noch glauben können.
Und er ist zugleich der wahre Hohepriester.
Er ist selbst das Opfer des großen Versöhnungsfestes.
Das ist die Botschaft von Jesus in seinem Leiden:
Er bleibt Gottes Sohn.
Er ist König.
Er ist Priester.
Er ist Prophet.
Er ist Priester.
Er ist Prophet.
Amen.