Nicht wie ich will, sondern wie du willst | Matthäus 26, 36 - 46
- 02.04.2020 -
Passionszeit 2020
Jesus weiß, was auf ihn zukommt. Im Garten Gethsemane bittet er seinen Vater, den Kelch des Leidens an ihm vorübergehen zu lassen – und betet zugleich: „Nicht wie ich will, sondern wie du willst.“ Während seine engsten Jünger schlafen und später versagen, geht Jesus seinen Weg weiter. Eine Passionsbetrachtung über Gebet, Vertrauen und die tröstliche Erfahrung, dass Gott auch mit unvollkommenen Menschen Geschichte schreibt.
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Im Garten Gethsemane steht Jesus unmittelbar vor seinem Leiden und Tod. Während seine Jünger schlafen, ringt Jesus im Gebet mit dem schweren Weg, der vor ihm liegt.
Pfarrer Dr. Jochen Eber betrachtet Matthäus 26, 36 - 46 und fragt, was das Gebet Jesu auch für uns bedeutet: Wir dürfen Gott unsere Bitten hinlegen – und zugleich darauf vertrauen, dass sein Wille geschieht.
Auch die Jünger machen in dieser Nacht keine gute Figur. Sie schlafen, fliehen und versagen. Und doch schreibt Gott später mit diesen unvollkommenen Menschen Geschichte.
Eine tröstliche Botschaft auch für uns:
Wir müssen nicht vollkommen sein. Jesus nimmt uns an und kann uns gebrauchen, wenn wir ihm ernsthaft nachfolgen.
Wir müssen nicht vollkommen sein. Jesus nimmt uns an und kann uns gebrauchen, wenn wir ihm ernsthaft nachfolgen.
- Bibeltext: Matthäus 26, 36 - 46
- Pfarrer Dr. Jochen Eber
- Passionszeit 2020
Predigt „Nicht wie ich will, sondern wie du willst“ - Matthäus 26, 36 - 46
(2. April 2020, Pfarrer Jochen Eber, Evangelische Kirche Steinen)
Jesus leidet für uns
Liebe Gemeinde,
Jesus leidet und stirbt für uns. Das ist das große Thema der Passionszeit.
Sein Leiden beginnt nicht erst am Karfreitag. Es beginnt schon viel früher. Jesus leidet bereits, als er sich dazu herablässt, Mensch zu werden. Er verlässt den Himmel, wird Mensch auf dieser Erde und wird von der Jungfrau Maria geboren.
Das ist der Anfang seiner Erniedrigung. Er hätte im Himmel bleiben können, aber er nahm das Leben auf der Erde auf sich.
Schon von seiner Geburt an ist das Leben Jesu bedroht. Denken wir nur an den von Herodes befohlenen Kindermord in Bethlehem. Später leidet Jesus darunter, dass viele Menschen seine gute Nachricht nicht annehmen wollen.
Ganz besonders leidet er schließlich während der Passion.
Jesus trifft sich zum letzten Mal mit seinen Jüngern und feiert das Abendmahl mit ihnen. Daran erinnern wir uns am Gründonnerstag.
Vom Abendmahlssaal aus geht Jesus mit seinen Jüngern aus der Stadt Jerusalem hinaus. Sie durchqueren das Kidrontal in Richtung Ölberg. Am Fuß des Ölbergs liegt der Garten Gethsemane.
Jesus geht mit seinen Jüngern hinein. Er will sich im Gebet auf die kommenden schweren und schlimmen Stunden vorbereiten.
Jesus sucht die Nähe seines Vaters
Lukas bemerkt in seinem Evangelium, Jesus sei „nach seiner Gewohnheit“ hinausgegangen.
Das bedeutet: Es ist nicht das erste Mal, dass Jesus diesen Garten aufsucht, um dort zu beten. Das hat er schon früher oft getan.
Jesus braucht einen ruhigen Rückzugsort, an dem er für sich allein beten kann. So hat er es schon in Galiläa gemacht, wenn er allein auf einen Berg ging. Mit dem lebendigen Gott, seinem Vater, hat er alles besprochen. Das war seine Gewohnheit.
Die Jünger setzen sich am Eingang des Gartens hin. Jesus geht mit Petrus, Jakobus und Johannes noch einige Schritte weiter hinein.
Petrus, Jakobus und Johannes gehören zu den ersten Jüngern, die Jesus am See Genezareth in seine Nachfolge gerufen hat. Sie haben ihre Arbeit als Fischer verlassen und sind Jünger Jesu geworden.
Diesen drei Jüngern offenbart Jesus nun sein Herz.
Er trauert und zittert. Jesus ist schrecklich angefochten, weil er weiß, was jetzt kommen wird. Seine Seele ist todtraurig, völlig erschüttert und völlig am Ende.
Jesus sagt zu ihnen:
Meine Seele ist betrübt bis an den Tod. Bleibt hier und wacht mit mir.
Die Jünger sollen wach bleiben. Sie sollen Jesus unterstützen und auf ihn aufpassen.
Jesus geht noch ein Stück weiter in den Garten hinein, fällt nieder und betet.
Die Jünger versagen
Doch schon jetzt zeigt sich: Die Jünger versagen.
Petrus hatte am Ende des Abendmahls noch großspurig erklärt:
Ich will dich nicht verleugnen, selbst wenn ich mit dir sterben müsste.
Im Matthäusevangelium heißt es, dass auch die anderen Jünger dasselbe sagten.
Doch was geschieht?
Sie schlafen alle. Sie halten nicht durch. Sie erkennen nicht, wie ernst die Lage für Jesus ist. Keiner passt auf, keiner steht Jesus bei. Sie lassen ihn in dieser furchtbaren Stunde vor seinem Tod allein.
„Nicht wie ich will, sondern wie du willst“
Jesus fällt nieder zum Gebet. Er betet zu seinem himmlischen Vater.
Nur zwei Dinge sagt er.
Gott soll den Kelch des Leidens, wenn es möglich ist, an ihm vorübergehen lassen.
Aber Jesus betet auch:
Nicht wie ich will, sondern wie du willst.
Hier sehen wir ganz schlicht, aber auch wunderbar, was Gebet ist.
Ich lege Gott meine Bitte hin. Wenn es möglich ist, soll Gott sie erfüllen. Aber nicht das, was ich will, soll geschehen. Geschehen soll, was Gott, der Vater, will.
Jesus nimmt den Willen seines Vaters ganz ernst. Er ist bereit, den schweren Kelch des Leidens zu trinken, gefüllt bis an den höchsten Rand.
Dietrich Bonhoeffer hat es später so gedichtet:
Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.
Dieses Lied ist eine treffende Auslegung der Situation Jesu.
Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach
Nun macht Jesus eine bittere Erfahrung: Die Jünger schlafen.
Jesus weiß vielleicht auch, dass seine Jünger in einer gefährlichen Situation schwach werden können. Deshalb sollen auch sie wach sein und beten. Sie sollen sich von Gott, dem Vater, in dieser angespannten Lage stärken lassen.
Jesus sagt zu ihnen:
Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.
Jesus geht ein zweites Mal fort und betet wieder mit den gleichen Worten.
Dann schaut er wieder nach den Jüngern. Doch sie schlafen erneut.
Beim dritten Mal ist es dasselbe.
Jesus ringt darum, diesen schrecklichen Weg des Leidens zu gehen. Aber seine Jünger schlafen.
Der Weg durch die Niederlage
Nun ist der Zeitpunkt gekommen, an dem Jesus festgenommen wird.
Der Sohn Gottes wird in die Hände der Sünder ausgeliefert. Jetzt kommt die größte Niederlage im Leben Jesu.
Der Sohn Gottes, wahrer Gott und wahrer Mensch, wird von Menschen gefesselt und den religiösen und staatlichen Institutionen ausgeliefert.
Sein Sieg wird nur durch diese äußere Niederlage hindurch verwirklicht.
Doch was geschieht mit den Jüngern?
Sie versagen. Sie fliehen. Sie lügen. Sie verleugnen Jesus, wie Petrus es später tun wird.
Das ist wahrlich keine vorbildliche Gruppe.
Gott schreibt mit unvollkommenen Menschen Geschichte
Und doch hat Gott später mit diesen Menschen seine Geschichte geschrieben.
Das ist das Tröstliche, auch für uns heute: Gott schreibt mit diesen Menschen Geschichte. Sie sind in keiner Weise perfekt, aber sie sind angenommen.
Jesus vergibt ihnen durch seinen Tod am Kreuz.
Auch wir müssen nicht vollkommen sein. Jesus kann uns gebrauchen, wenn wir ihm ernsthaft nachfolgen.
Amen.