Gott ist treu | Micha 7, 18 - 19
- 21.06.2026 -
(21. Juni 2026, Pfarrer Ingo Meißer, Evangelische Kirche Steinen)
3. Sonntag nach Trinitatis
Gott ist treu: Was heißt das, wenn wir nach Halt und Verlässlichkeit suchen?
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Sonntagsgottesdienst und Konfirmationsjubiläum in der Petruskirche Steinen
mit Pfarrer Ingo Meißner
Psalm 146
Predigt: Gott ist treu
(Micha 7, 18 - 19)
Lieder:
- EG 504: Geh aus, mein Herz und suche Freud CCLI-Nr.: 4353803
- EG 455: Morgenlicht leuchtet
- FJ5 19: Mutig komm ich vor den Thron CCLI-Nr.: 7028158
- FJ3 177: Welch ein Freund ist unser Jesus CCLI-Nr.: 4334413
CCLi Liedlizenz 5100265
Predigt „Gott ist treu“ - Micha 7, 18 - 19
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Liebe Gemeinde,
„Wir geben David nicht auf.“
So lautete die Überschrift eines Zeitschriftenartikels, den ich vor einigen Jahren gelesen habe. Die Namen in der Geschichte waren geändert. Erzählt wurde von einer Familie, deren Sohn als Jugendlicher drogenabhängig wurde. Seine Eltern suchten Hilfe, erlebten Rückschläge und lebten über viele Jahre mit der Angst um ihn. Wie seine Geschichte ausging, blieb in dem Artikel offen.
Was mich daran besonders bewegt hat: Die Eltern hielten den Kontakt zu David aufrecht. Sie konnten seine Probleme nicht einfach lösen. Sie waren enttäuscht und verzweifelt, aber sie wollten ihren Sohn nicht fallen lassen. In dieser Haltung wird etwas von Liebe und Treue sichtbar.
Ich möchte eine zweite Geschichte danebenstellen. Sie handelt von einem Volk und seinem Gott. Gott sorgt für dieses Volk. Er gibt ihm, was es zum Leben braucht, und Gebote als schützenden Rahmen. Dazu gehört, dass Recht gilt und auch die Armen nicht vergessen werden.
Doch das Volk wendet sich immer wieder anderen Göttern zu. Es feiert noch Gottesdienste, ist aber mit dem Herzen nicht mehr dabei. Menschen mit Macht setzen sich durch, während Schwache zurückbleiben. Gott ist darüber zornig. Und dennoch hält er an seinem Volk fest: mit Treue, Barmherzigkeit und der Bereitschaft zu vergeben.
Diese zweite Geschichte führt uns zum Propheten Micha. Er prangert soziale Ungerechtigkeit an: die Ausbeutung der Armen, käufliche Richter, den Missbrauch von Macht und einen Gottesdienst, der nicht zum Leben der Menschen passt. Das alles ist Gott nicht gleichgültig. Trotzdem endet das Buch Micha nicht mit der Anklage, sondern mit der Hoffnung auf Gottes Erbarmen.
Am Schluss, in Micha 7,18–20, fragt der Prophet staunend, wer Gott gleicht: Gott vergibt Schuld, hält nicht für immer an seinem Zorn fest, erbarmt sich wieder und wirft die Sünden in die Tiefen des Meeres. Jakob und Abraham gegenüber hält er an seiner Zusage fest. Gottes Zorn ist nicht sein letztes Wort.
Im vergangenen Himmelwärtsgottesdienst haben wir auf den Propheten Hosea gehört. Auch dort ging es um Gottes Liebe und die Untreue seines Volkes. Micha verwendet ein anderes Bild und spricht von Gottes Treue zu seinem Bund. Das hebräische Wort, das im Transkript wie „Reset“ klingt, lautet Chesed. Es beschreibt hier Gottes Güte und sein Festhalten an der Beziehung zu seinem Volk.
Was ist ein Bund? Menschen geben einander ein Versprechen und wollen sich daran halten. Doch wir wissen, wie verletzlich menschliche Zusagen sind. Selbst wenn wir es ernst meinen, bleiben wir nicht immer so treu, liebevoll und barmherzig, wie wir es sein möchten. Streit, Ärger oder eigene Interessen kommen dazwischen. Gott weiß um diese menschliche Schwäche. Das Besondere an seiner Zusage ist: Er steht dennoch zu seinem Bund.
Ein eindrückliches Bild dafür findet sich im ersten Buch Mose. Abram legt auf Gottes Anweisung zerteilte Tiere bereit. Als es dunkel wird, zieht eine brennende Fackel zwischen den Stücken hindurch. Abram selbst geht nicht hindurch. In der Predigt verstehe ich dieses Bild so: Gott bekräftigt seinen Bund und steht selbst für seine Zusage ein. Der Mensch kann darauf vertrauen.
Für uns Christen führt diese Spur weiter zu Jesus Christus. Am Kreuz sehen wir, wie weit Gottes Treue geht. Gott lässt die Menschen mit ihrer Schuld nicht allein. In Jesus tritt er für sie ein und eröffnet die Beziehung zu ihm neu.
Noch einmal hören wir Micha: Gott will sich erbarmen. Er will Schuld nicht für immer zwischen sich und sein Volk stellen. Das Bild von den Sünden in den Tiefen des Meeres sagt mir: Was Gott vergibt, holt er nicht immer wieder hervor, um uns darauf festzulegen. Bei uns selbst können Fehler und Verletzungen lange nachwirken. Aber Gottes Vergebung eröffnet einen neuen Anfang. Das ist frohe Botschaft, schon in diesem alttestamentlichen Text.
Kehren wir zu David und seinen Eltern zurück. Vielleicht haben wir beim Hören zuerst mit der Mutter und dem Vater mitgefühlt. Aber im Blick auf unsere Beziehung zu Gott möchte ich die Frage anders stellen: Sind wir nicht manchmal eher wie David? Wir entfernen uns, gehen eigene Wege und schaffen es nicht, die Beziehung aus eigener Kraft heil zu halten.
Gott aber gibt uns nicht auf. Er bleibt bereit, uns zu empfangen. Wir dürfen mit dem, was nicht gelungen ist, zu ihm kommen und seine Vergebung annehmen. Seine Treue bleibt, wo wir auch gehen und stehen.
Kannst du das glauben und heute neu für dich annehmen?