Liebe ist ... unendlich
- 13.06.2026 -
(13. Juni 2026, Pfarrer Ingo Meißer, Evangelische Kirche Steinen)
Himmelwärts
Hat Gottes Liebe ein Ablaufdatum? Eine kaputte Pumpe und fragwürdige „lebenslange“ Garantien führen in dieser Himmelwärts-Predigt zu Hosea und Paulus. Pfarrer Ingo Meißner spricht darüber, warum Gottes Treue auch dann bleibt, wenn Menschen sich von ihm entfernen, und wie ein Neuanfang möglich wird.
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Kann Liebe wirklich unendlich sein? Menschliche Versprechen haben Grenzen. Selbst eine „lebenslange Garantie“ hält manchmal nicht, was sie verspricht. Im Himmelwärtsgottesdienst fragen wir, was Gottes Zusage davon unterscheidet.
Pfarrer Ingo Meißner spricht über Gottes Treue im Buch Hosea und über die Gewissheit des Paulus, dass uns nichts von Gottes Liebe in Jesus Christus trennen kann. Der Gottesdienst lädt dazu ein, über die eigene Beziehung zu Gott nachzudenken, zu beten und einen Neuanfang zu wagen.
Predigt: Liebe ist ... unendlich
Bibeltexte: Hosea 11,8–9 und Römer 8,38–39
Lieder:
- FJ6 150: Nur durch Christus in mir CCLI-Nr.: 7129715
- FJ6 7: Alles tanzt CCLI-Nr.: 7160095
- Bei dir darf ich sein CCLI-Nr.: 7230426
- FJ6 97: Ewigkeit (Ich sehne mich nach einem Ort) CCLI-Nr.: 7158243
- FJ3 106: Treu (Du bleibst an meiner Seite) CCLI-Nr.: 4328979
- FJ6 55: Mit allem was ich bin CCLI-Nr.: 5905810
- FJ5 232: Gott segne dich (Ich wünsch dir Gottes Segen) CCLI-Nr.: 5947469
CCLi Liedlizenz 5100265
Liebe ist ... unendlich
Himmelwärtsgottesdienst
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Liebe Gemeinde,
gerade haben wir miteinander von Freude gesungen. Ein anderes Thema macht gewöhnlich weniger Freude: Garantieerklärungen. Wenn wir etwas kaufen, ist oft eine Garantie damit verbunden. Manchmal steht dort sogar: lebenslange Garantie. Das klingt großzügig und verlässlich. Doch dann liest man die Bedingungen, und der Teufel steckt im Detail.
Vor einigen Wochen habe ich eine kleine elektrische Pumpe gekauft. Sie sollte mir das Aufpumpen meiner Isomatte erleichtern. Dreimal hat sie wunderbar funktioniert. Dann ließ sie sich nicht mehr aufladen. Der Händler bot an, sie im Rahmen der Garantie zu prüfen. Nur musste ich sie dafür auf eigene Kosten nach Österreich zurückschicken. Da fragt man sich schon, wie viel eine Garantie bei einem günstigen Artikel praktisch wert ist.
Auch bei Software habe ich „lebenslange“ Zusagen erlebt. Bei einem Programm gab es plötzlich keine Aktualisierungen mehr, weil die Firma nicht mehr existierte. Ein anderes Programm wurde weiterentwickelt; die neuen Funktionen gab es aber nur noch gegen ein zusätzliches Abonnement. „Lebenslang“ bedeutete am Ende: lebenslang, solange bestimmte Voraussetzungen gelten.
Nichts auf dieser Welt scheint wirklich unendlich zu sein. Und wie ist es mit der Liebe? Menschen versprechen einander Treue, manchmal ausdrücklich für das ganze Leben. Viele leben dieses Versprechen miteinander. Wir wissen aber auch, dass Menschen aneinander scheitern können. Unsere Liebe und unsere Treue haben Grenzen.
Im Alten Testament gibt es eine bewegende Geschichte über Treue und Treuebruch. Wir finden sie beim Propheten Hosea. Er soll dem Volk Israel vor Augen führen, dass es Gott immer wieder die Treue verspricht und sich doch von ihm abwendet. Die Menschen suchen bei anderen Göttern, bei Bildern und Mächten das, was sie von Gott erwarten könnten. Hoseas eigenes Leben wird in dem Buch zum Zeichen für diese gestörte Beziehung.
Gott erinnert sein Volk daran, wie er es begleitet hat: Er hat es aus Ägypten gerufen, geführt, versorgt und ihm geholfen, gehen zu lernen. Die Bilder in Hosea 11 sind zärtlich. Sie erzählen von Fürsorge und Nähe. Umso schmerzlicher ist der Gegensatz: Das Volk wendet sich immer wieder ab.
Bevor wir nun über „die untreuen Menschen damals“ urteilen, sollten wir auf uns selbst schauen. Sind wir Gott immer treu? Wir möchten Gutes tun und schaffen es doch nicht immer. Auch Paulus kennt diese Spannung zwischen dem, was ein Mensch will, und dem, was er tatsächlich tut.
Es gibt heute vieles, das uns wichtig ist: Hobbys, Arbeit, Anerkennung, Geld, Beziehungen und persönliche Ziele. Daran ist nicht automatisch etwas falsch. Aber wenn alles andere immer wichtiger wird als die Beziehung zu Gott, gerät etwas in Schieflage. Dann suchen wir seine Nähe nicht mehr und leben an der Gemeinschaft vorbei, zu der er uns einlädt.
Wie reagiert Gott auf diesen Treuebruch? Das Buch Hosea spricht auch von Zorn und Gericht. Gott nimmt die Untreue nicht gleichgültig hin. Doch mitten in diese harten Worte hinein hören wir eine andere Frage: Wie könnte ich dich aufgeben? In Hosea 11,8–9 wird beschrieben, dass Gott sein Volk nicht preisgeben will. Er lässt sich nicht einfach von seinem Zorn bestimmen. Er sagt: Ich bin Gott und kein Mensch.
Das ist der entscheidende Punkt dieser Predigt. Gottes Liebe ist nicht die verlängerte Version einer menschlichen Garantie, versehen mit immer neuen Ausnahmen. Sie ist größer als unsere begrenzte Treue. Gott streckt seinem Volk immer wieder die Hand entgegen. Er will die Gemeinschaft nicht aufgeben.
Paulus schreibt im Römerbrief von derselben Gewissheit. In Römer 8,38–39 zählt er auf, was uns Angst machen oder voneinander trennen könnte: Leben und Tod, Gegenwart und Zukunft, Mächte und Gewalten. Sein Schluss ist eindeutig: Nichts von alledem kann uns von Gottes Liebe trennen, die uns in Jesus Christus begegnet.
Das heißt nicht, dass unsere Entscheidungen bedeutungslos wären. Gott zwingt sich uns nicht auf. Wir können uns von ihm abwenden und in eine andere Richtung laufen. Aber wir können auch umkehren. Die Bibel nennt das Buße: innehalten, die Richtung ändern und sich Gott neu zuwenden.
Vielleicht gibt es etwas, das zwischen dir und Gott steht. Vielleicht ist deine Liebe zu ihm kühler geworden. Vielleicht hast du seine Nähe lange nicht gesucht. Dann gilt seine Einladung auch heute. Ein Neuanfang ist möglich. Du darfst ihm sagen, was dich beschäftigt, und dich seiner Liebe wieder öffnen.
Ich stelle mir diese Liebe wie einen Wind vor, der uns an einem heißen Tag entgegenkommt. Wir können unser Gesicht in seine Richtung wenden und ihn spüren. Gottes Liebe will uns erreichen, erfrischen und verändern.
Auch wenn wir untreu waren: Gottes Einladung bleibt. Nichts kann uns von seiner Liebe in Jesus Christus trennen. Sein Liebesversprechen hat kein Ablaufdatum. Es gilt über unser begrenztes Vorstellungsvermögen hinaus.
Amen.